Die Akteure in Syrien: Eine Analyse von Stefan Jahnel

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Nun ist es also soweit. Ab 11.31 Uhr wird auch in Syrien zurückgebombt. Damit beteiligt sich Deutschland auch an der neuesten Front im Krieg der Kulturen.  Zeit genug sich die großen Akteure unter die Lupe zu nehmen: Das Assad-Regime, der islamische Staat, die USA und natürlich Russland. Wem soll nun jemand, der primär an Freiheit interessiert ist, sein Herz öffnen? Der Versuch diese Mitwirkenden nach gut und böse zu sortieren, gleicht den Versuch Pferdeäpfel nach Geruch zu sortieren. Da es sich bei allen Akteuren um in letzter Hinsicht etatistische Staaten oder staatenähnliche Gebilde handelt dürfte diese Erkenntnis Libertäre und Minarchisten nicht wirklich überraschen.

An unangenehmsten müffelt, da der islamische Staat, der die seltene Leistung vollbringt ein Regime zu errichten, dass selbst die christlichen Theokratien des Mittelalters in den Schatten stellt, und einmal mehr die Frage aufwirft ob monotheistische Glaubensvorstellungen und pluralistische Gesellschaft nur durch beständiges sich und den anderen belügen koexistieren können. Ausgemachter Schurke zum Anbeginn des Konfliktes war natürlich Assad, der diese Rolle aber zunehmend abgeben muss, und mittlerweile quasi vom Hitler der Levante schon zum Gollum Syriens mutiert ist. Ja man mag sich schon fast wehmütig erinnern an die Freiheit die damals die Minderheiten der Christen und Jesiden in seinem Staat genossen haben. Dabei darf man wohl bezweifeln, dass Assad vom Herzen her ein Fan der Religionsfreiheit oder gar allgemein ein Menschenfreund ist, sondern mag dieses Verhalten auf ein kluges Kalkül zurückführen, bedingt dadurch dass der alevitische Präsident gerne noch andere Religionsminderheiten mit ins Boot genommen hat, um ein Gleichgewicht gegen die muslimisch-sunnitische Mehrheit zu zimmern.

Vertreter der Freiheit kann also letztlich nur die USA sein. Nicht umsonst steht in „God’s own Country“ die Freiheitsstatue, was manche gelegentlich aber auch nur als PR-Gag, andere sogar unter Zynismus verbuchen. Tatsächlich bietet die USA ihren Bürgern im eigenen Land durchaus mehr Freiheiten als in Europa üblich, und mag daher in vielen Belangen als Vorbild dienen. Außenpolitisch entsteht aber eher der Eindruck zwischen Regierung und Schwergewichten der Wirtschaft besteht ein enger Korporatismus. Und nicht überall wo „frei“ drauf steht, steckt auch „handel“ dahinter.

Der Eindruck verfestigt sich das Entscheidungsträger sich eher dem Merkantilismus verschrieben haben, als dass sie bei Adam Smith in die Schule gegangen sind. Verschwörungstheoretiker werfen der USA zudem vor den sogenannten arabischen Frühling angezettelt zu haben, der in seinen unterschiedlichen Ausprägungen Chaos und islamistischen Winter zurückgelassen haben.

Verschwörungen haben es allerdings zu eigen, dass sie im verborgenen geschehen während  die Reformbewegungen in diesen Ländern viel öffentliche Unterstützung und noch mehr veröffentlichten Zuspruch bekam, was letztlich auch noch zu dem Verdacht führt, dass die Verschwörung nicht nur schlecht sondern noch dazu schlecht gemacht war.

Glücklicherweise scheint nun in der Gestalt Putins endlich der weiße Ritter erschienen zu sein, der endlich die Freiheit und Gerechtigkeit in der Region durchsetzen soll. Man benötigt freilich viel Optimismus, um zu glauben, das just der Mann, der in seinem eigenen Land, die Presse unterdrückt, Homosexuelle ausgrenzt, Oppositionelle verhaften lässt und selbst in mittelmäßígen Punkrockerinnen eine Staatsbedrohung für Recht und  Ordnung sorgt. Hätte sie Bundesrepublik soviel Souveränität ihren Verbündeten in dieser Region selbst zu wählen, bliebe ohnehin festzustellen, dass egal welchen Freund man sich aussucht, man danach keine Feinde mehr braucht.

 

Stefan Jahnel ist Bundesvorsitzender der Freiheitspartei

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