Der Weltuntergang von 535

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Auch wenn am Sonnabend den 28.11.2015 viele Menschen sich versammeln werden um den Weltuntergang zu beweinen. Die Welt ist schon oft untergegangen. Vor 1480 Jahren war schon so ein Jahr an dem die Welt offensichtlich unterging und jeder Mensch in Europa das mit eigenen Augen sehen und am eigenen Leib spüren konnte.

Im Nordwesten Europas hatte der Franke Chlodwig einen gewaltigen germanischen Staat errichtet, der nach seinem Tod nach altem Brauch unter seinen Söhnen aufgeteilt wurde. Der jüngste der Söhne Chlotar setze sich dann in den Erbfolgestreitigkeiten gegen alle seine Brüder durch und festigte die Macht der Franken. Das Burgunderreich hatte er auch bereits erobert und jetzt griff er weiter aus um auch die Westgoten in sein Reich einzugliedern. Doch das waren alles nur kurze Erfolg unter hohem Blutzoll. Dieser fränkische Staat war keine Welt mehr in dem das Ewige Recht galt, nachdem jeder Franke ein Herr mit einer Herrin an seiner Seite war, deren Entscheidungen nach alter Sitte alleiniges Recht waren. Es war jetzt ein Staat in dem die ehemaligen Freien nur noch Lehnsmänner eines himmlichen Königs und seiner irdischen Vertreter waren. Ein Reich in dem das Ewige Recht durch die Gebote eines leblosen Buches aus dem Orient ersetzt wurde. Im Süden war das römische Imperium längst zerfallen. Auch dort gab es jetzt einen mächtigen germanischen Staat, den der legendäre Gote Dietrich von Bern, von den Christen Theoderich von Ravenna genannt, gegründet hatte. Sein gotisches Kaiserreich war im Jahr 535 unter der Regentschaft seines noch Minderjährigen Enkels Athalarich und dessen Mutter Amalaswintha die eine Tochter Dietrichs war.

Im Jahr 535 wurde Kaiserin Amalaswintha im Bad ermordet im Auftrag eines Verwandten der selbst an die Spitze des Staates wollte. Genau in diesem Moment begann der erste Gotenkrieg durch den Angriff der oströmischen Heere unter dem Kommando des genialen, aber leider auch psychopathischen Feldherrn Belizar. Für die meisten Menschen in Europa mußte es aussehen als wenn die Welt politisch endgültig im Chaos versinkt und auch das Klima spielte vollkommen verrückt. Die Kilimawissenschaftler sprechen heute von der Wetteranomalie von 535/536 und streiten bis heute über die Ursache. Quellen wie Prokopios, Michael der Syrer oder Flavius Cassiodorus berichten für das Jahr 536 von niedrigen Temperaturen mit Schnee im Sommer sowie von Missernten. Ebenso berichten die Geschichtsschreiber davon, dass selbst mittags die Sonne nur einen matten Schatten warf und dass die Umstände, die ansonsten eine Sonnenfinsternis begleiten, fast ein Jahr anhielten. Auch in zeitgenössischen chinesischen und indonesischen Quellen ist von ungewöhnlichen atmosphärischen Ereignissen die Rede, sodass es sich offenbar um ein globales Phänomen handelte.

Eine Analyse von Baumringen durch den Dendrochronologen Mike Baillie von der Queen’s University Belfast zeigt ein abnormal geringes Wachstum der Irischen Eiche für 536 und – nach einer nicht vollständigen Erholung – einen weiteren starken Rückgang im Jahre 542. Ähnliche Muster sind auch durch Jahresringe verschiedener Baumarten in Schweden, Finnland und Kaliforniens Sierra Nevada sowie bei der Alerce im Süden von Chile bekannt.

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